1. Das Streben nach Individualität

1. Das Streben nach Individualität

Wieso ist die freie Entfaltung der Persönlichkeit erstrebenswert?

Im DUDEN steht unter dem Eintrag „Individualität“: „Einzigartigkeit der Persönlichkeit; Eigenart; Persönlichkeit.“

Individualität ist folglich das, was einen Menschen zur Persönlichkeit werden lässt, was uns einzigartig macht. Jede Person sollte mit den gleichen Rechten ausgestattet sein, aber einzigartig wahrgenommen werden.

Jeder gesunde Mensch verfügt im realen Leben über eine Persönlichkeit, die sich sein ganzes Leben lang erweitert. Wenn man länger mit anderen Menschen interagiert, nimmt man ihre Persönlichkeit wahr.

Die Persönlichkeit äußert sich durch die Gestalt, die Gesichtszüge, die Stimme, den Ausdruck, das Verhalten und die Taten einer Person. Jede Person ist individuell. Und wir wollen so wahrgenommen werden: einzigartig.

In der Pubertät fangen wir an, uns Gedanken um die eigene Person zu machen und individuell erscheinen zu wollen, sei es durch Kleidung, Musik oder ähnliches. Man versucht irgendwie den Sinn des Lebens zu erfahren. Einzigartigkeit gibt jedem einen Sinn. Natürlich nimmt man sich Vorbilder, denen man sich anzugleichen versucht. Aber ich denke, dies passiert nur dann, wenn uns die Persönlichkeit des Vorbilds beeindruckt hat. Das Streben nach Individualität ist aus meiner Sicht auch die Suche nach dem Sinn des Lebens. Ich sehe das Internet hier quasi als eine Art Erweiterung des Lebens an, keineswegs eine zu dominante, aber nichtsdestotrotz eine bereichernde Erweiterung.

Oben habe ich geschildert, wie ich eine Person in der realen Welt wahrnehmen kann. Im Internet ist die Wahrnehmung einer Person ein sehr schwieriges Unterfangen. Darüber wird es in meinem ersten Unterpunkt „Der Kreis der Empathie“ gehen.

Im zweiten Unterpunkt geht es um Anonymität, die ich als Gegenteil von Empathie empfinde. Im dritten Unterpunkt geht es um den Unterschied zwischen Individualität und Individualisierung im Internet, unter Betrachtung des nun immer häufiger fallenden Begriffs von Big Data.

Das Beitragsbild ist diesmal sehr interessant, bezüglich Individualität, ich empfehle unbedingt, dem Link nachzugehen und zu erfahren, was es mit dem Bild auf sich hat!

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Meine zentrale Fragestellung

Meine zentrale Fragestellung

„Die ersten Wellen der Web-Aktivitäten waren erstaunlich kraftvoll und besaßen eine persönliche Qualität. Die Menschen richteten sich persönliche `Homepages` ein, die alle sehr verschieden und oft recht eigenwillig waren. Das Netz hatte seinen eigenen Duft.“ siehe Jaron Lanier: Gadget. Warum die Zukunft uns noch braucht. Suhrkamp, Berlin 2010, S. 28  

Dies waren die neunziger Jahre, als das World Wide Web noch in den Anfängen steckte. Wie gern hätte ich einmal diesen Zeitgeist verspürt! Doch bedauerlicherweise wurde ich erst 1997 geboren, so habe ich vom Rest der neunziger Jahre auch nicht mehr so viel mitbekommen.

Nur wenige Menschen kümmern sich um das Recht der Person, ihre Persönlichkeit auch im Internet frei entfalten zu können. Doch dabei steht schon in Artikel 2 des deutschen Grundgesetzes: „Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt. (…) Die Freiheit einer Person ist unverletzlich.“

Jaron Lanier, von dem das anfängliche Zitat stammt, ist einer der (wie ich finde) bedeutendsten Vertreter des digitalen Humanismus, wie die Zeitungen diesen Zweig der Philosophie nennen. Lanier ist ein US – amerikanischer Informatiker, der in früheren Zeiten sehr optimistisch gegenüber dem Internet war, dann aber feststellte, dass das Internet sich seiner Meinung nach falsch entwickelt hatte. Nun würde es die Bedeutung der Menschen nicht genug würdigen.

„Der zentrale Fehler der neueren digitalen Kultur liegt in dem Bestreben, ein Netzwerk von Individuen so fein zu zergliedern, daß am Ende nur ein Brei übrigbleibt. Dann beginnt man, mehr auf die abstrakten Merkmale des Netzwerks als auf die realen, im Netzwerk zusammengeschlossenen Menschen zu achten, obwohl das Netzwerk selbst weder Sinn noch Bedeutung kennt. Nur Menschen haben Sinn und Bedeutung.“ (s. Gadget, wie oben, S. 30)

Das vermehrt auftretende Problem im heutigen Internet ist also, dass wir als in einem Netzwerk zusammengeschlossene Menschen nicht als wirkliche Menschen erscheinen, sondern nur als Bruchstücke davon, während z.B. entsprechend programmierte Bots genau so erscheinen können. Ich stelle mir hier als Beispiel die Klickzähler auf Videoplattformen vor. Man sieht nicht, wer dieses Video aufgerufen hat, ein automatisch gesteuertes Programm kann es genauso tun wie ein Mensch. Außerdem haben die Menschen je nach Belieben unzählige Avatare, die sie nach Gelegenheit ändern können. Es gibt dann also nicht nur eine einzige virtuelle Manifestation einer Person, sondern unzählige, eine für jedes soziale Netzwerk, für jedes Forum, usw.

In meiner Jahresarbeit werde ich zunächst auf das Individuum schauen, welches den Kern meiner Arbeit bildet, sowie die Themen des virtuellen Freundeskreises, der Anonymität und der Big Data behandeln. Anschließend werde ich auf das Vorkommen des Kollektivs im Internet eingehen, welches aus vielen Individuen besteht. Werden Seiten wie Wikipedia als kollektiv ausgelegte Webseiten ihrem guten Ruf gerecht?

Zuletzt widme ich mich der Frage, wo und auf welche Weise im Internet Individualität am besten zur Geltung kommt. Als konkrete Beispiele werde ich die drei sozialen Netzwerke Facebook, Twitter und Tumblr sowie die Vor- und Nachteile einer Homepage genauer beschreiben. Zum Schluss des dritten Kapitels werde ich noch eine alternative Version des Internets, wie es hätte sein können, die virtuelle Individualität besser ins Licht zu rücken, vorstellen. Dies führt mich zu meiner zentralen Fragestellung:

Wie äußert sich im Internet Individualität und wie wird diese behandelt?

Wo ist es schon gut gelungen, die Individualität zur Geltung zu bringen und wo nicht? Was macht virtuelle Individualität aus, folglich, nach welchen Wertvorstellungen sollte sich die Gestaltung des Internets richten, um die virtuelle Individualität zu fördern? Was muss man ändern? Gibt es eine gesellschaftliche Diskussion darüber, wie verläuft sie?

Nach dem dritten Kapitel möchte ich meinen praktischen Teil veröffentlichen, der sich mit der Darstellung einer Individualität im Internet beschäftigt. Diese Individualität ist jedoch fiktiv, diese Person existiert also nicht wirklich. Um glaubwürdig zu erscheinen, habe ich ein paar Dinge unternommen, welche ziemlich schlagkräftige Argumente zum „Beweisen“ der Person sind. Aber alles zu seiner Zeit, die Offenbarung zu dieser Person kommt erst später…

Das Beitragsbild zeigt Jaron Lanier, welcher eine Vorliebe für asiatische Blasinstrumente hat.

Vorwort

Vorwort

Was bewegt mich, meine Jahresarbeit über virtuelle Individualität zu schreiben?

Wie bin ich darauf gekommen?

Den ersten Denkanstoß hatte ich im Jahr 2012, als es darum ging, ob ich mich bei Facebook anmelden wolle oder nicht. Damals entschied ich mich dagegen, aber eher, weil ich meine Privatsphäre nicht so publik machen wollte.

„Deine Bilder dort können verwendet werden ohne dass du es weißt. Es gibt dort extreme und unzensierte Gewaltfotos und Videos. Es werden sowieso nur gestellte Partyfotos hochgeladen.“

Das waren die Gedanken, die mich damals bewogen, mich nicht bei Facebook anzumelden. Im Jahr 2014 schließlich las ich im SPIEGEL ein Interview mit dem US – Informatiker Jaron Lanier, welcher 2014 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhalten hatte. Dies inspirierte mich dazu, seine Bücher, die in dem Interview erwähnt wurden, zu lesen.

Dort fand ich die Kritik über Facebook wieder, aber in viel schlagkräftigerer Verpackung, mit zusätzlichem Hintergrundwissen. So soll Facebook die Individualität schon beim Anmelden unterdrücken, in dem wir uns in Multiple-Choice Persönlichkeiten hineinquetschen müssen. „Männlich/weiblich? Sind sie Single? Ja/nein/überspringen“. Mehr gibt es nicht zu unserer Person zu klären. Bei so vielen Mitgliedern ist die Wahrscheinlichkeit sogar recht hoch, dass zwei ganz unterschiedliche Leute die Liste komplett gleich ausfüllen, Individualität adieu. Facebook ist hier natürlich nur ein Beispiel, welches mich stärker berührt hat, doch gerade um einen differenzierteren Standpunkt zu erhalten, ist es notwendig, sich das Internet anlässlich dem Aspekt von Individualität anzuschauen, um zu erkennen, was es mit ebendieser anstellt.

Gerade Jugendliche sind oft auf der Suche nach der eigenen Individualität und haben sie noch nicht voll entdeckt. Was macht dann das Internet mit ihnen? Diese Frage interessiert mich, denn wir suchen unsere eigene Bestimmung und unseren Platz in der Welt, die auch (und das immer mehr) das Internet umfasst.

Jaron Lanier begeisterte mich wegen seines kritischen Blickwinkels auf das Internet. Er behandelt in seinen Büchern viele Aspekte, die er für verbesserungswürdig hält, doch der Aspekt der Individualität berührte mich am meisten, denn Individualität hat jeder, oder auch nicht.

Hier das unglaublich aussagekräftige Beitragsbild.

Über diesen Blog

BemerkenswertÜber diesen Blog

Dies ist der Blog von mir, Richard Aude, ich wohne zur Zeit in Leipzig.

Auf dieser Seite wird vorwiegend zu Themen wie Internet, Moral und Geschichte gebloggt.

In den folgenden Beiträgen möchte ich meine Jahresarbeit der 12. Klasse zum Thema „virtuelle Individualität“ Stück für Stück vorstellen. Dabei freue ich mich über jedes Feedback!

Meine Jahresarbeit ist in drei große Teile aufgeteilt:

Im ersten Teil schildere ich meine Motivation mich mit diesem Thema zu befassen und betrachte die Verhaltensweisen eines Individuums in der virtuellen Welt:

Vorwort

Meine zentrale Fragestellung

1. Das Streben nach Individualität

1.1 Der Kreis der Empathie

1.2 Anonymität und ihre Auswirkungen auf die Individualität

1.3 Individualität und Individualisierung

Im zweiten Teil widme ich mich der Verhaltensweise von Kollektiven im Internet:

2. Die Weisheit der Vielen

2.1 Kollektiv ausgelegte Einrichtungen im Internet

2.1.1 Wikis

2.1.2 Crowdsourcing

2.1.3 Open Source

2.1.4 4chan

2.2 Wie verhält sich ein virtuelles Kollektiv?

2.3 Vor- und Nachteile eines Kollektivs gegenüber einem Individuum im Internet

Im dritten Teil beurteile ich ausgewählte soziale Netzwerke und andere Expressionen der virtuellen Individualität anhand meiner eigenen diesbezüglichen Auffassung:

3. Wo ist im Internet individuelles Gedankengut zu finden?

3.1.1 Sichtbarkeit

3.1.2 Name

3.1.3 Informationelle Selbstbestimmung

3.1.4 Nutzungsbedingungen

3.1.5 Die Gestaltung des eigenen Ichs

3.2 Soziale Netzwerke

3.2.1 Facebook

3.2.2 Twitter

3.2.3 Tumblr

3.3 Homepages

3.4 Xanadu

Und schließlich der Abschluss meiner Arbeit:

Der Entwurf einer virtuellen Persönlichkeit – Gordon Daniely

Folgt mir gern auf Twitter. Müsst Ihr aber nicht. Für eine längere Korrespondenz stehe ich gern auch per E-Mail zur Verfügung (Leerzeichen weglassen): richardaudeacnt [at] gmail [dot] com

Das Beitragsbild ist ein Foto von der Arbeit des Künstlers Hiroshi Nagai.