Die Leute haben verschiedene Namen dafür, Jaron Lanier nennt es den Kreis der Empathie, mit der Begründung, dass „Empathie“ spirituelle Untertöne besitzt (s. Jaron Lanier: Gadget. Warum die Zukunft uns noch braucht. Suhrkamp, Berlin 2010, S. 54 ff).

Andere nutzen Begriffe wie „Sympathie“ oder „Pflicht“. Mir gefällt „Empathie“ gut, denn es geht darum, andere Leute zu erfühlen, wahrzunehmen und wertzuschätzen. Um es drastisch auszudrücken: Wenn sich jemand in unserem Kreis der Empathie befindet, wollen wir nicht, dass jener Mensch getötet wird. Wesen, die nicht in unserem Kreis der Empathie vertreten sind, nehmen wir nicht als eigenständige Individuen wahr. Vegetarier schließen auch Tiere in ihren Kreis der Empathie ein. Dieser Kreis besitzt Grenzen, denn es macht uns allen nichts aus, die Bakterien beim Zähneputzen zu töten.

Die wichtigste Frage bei diesem Kreis ist aber: Wo ziehe ich diese Grenze? Die Beantwortung dieser Frage war auch schon in der prädigitalen Zeit sehr brisant. Man denke nur an die Sklaverei, oder die Judenverfolgung.

In der Zeit des Internets muss man sich diese Frage erneut stellen. Internetkonzerne wie Google, Amazon oder Facebook besitzen meiner Meinung nach keine Empathie, denn Sie sehen die Kunden als Ware, aus der man mittels Werbung mögliches Kapital schlagen kann, und nicht als Personen, wie ich weiter unten in dem Unterpunkt Individualität und Individualisierung erläutern werde.

Wenn man den Internetaustausch zwischen Personen betrachtet, ergeben sich aber auch mancherlei Probleme hinsichtlich der Empathie. Das Chatten erwies sich anfangs als ungemein schwierig für einige Personen, weil sie den Gesprächspartner nicht sehen konnten. Dies trug zur Erfindung des Emoticons bei.

Meiner Meinung nach wäre es wünschenswert, dass im Internet klarer wird, was eine Person ist bzw. welche Person hinter den Informationen steht. Wenn der Internetnutzer das wahrnehmen könnte, hätte er die Möglichkeit zu entscheiden, wen er in seinen Kreis der Empathie einbezieht. Es gibt jedoch Dinge, die uns vorgaukeln, sie wären reale Personen. Dazu zählen alle Formen von künstlicher Intelligenz. Ich denke hier beispielsweise an Bots. Diese Bots sind Programme, die für Server wie reale Personen wirken. Chatbots sind darauf ausgelegt, mit realen Personen zu Chatten und menschliche Gesprächspartner zu simulieren. Webdesigns, wie sie in den Kommentarbereichen von Zeitungen oder Videoportalen vorkommen, unterstützen die Empathie nicht. In Sekunden ist hier ein Account für das Kommentieren erstellt. Viele Seiten erteilen allen Kunden schon bei der Erstellung eines Accounts ein CAPTCHA, also ein Bild, welches meist ein paar wellenförmige Buchstaben und Zahlen zeigt. Bots können diese Bilder nicht verstehen, Menschen dagegen schon und die Lösung dann aufschreiben. Dies unterscheidet uns Menschen im Internet NOCH von solcherart programmierten Bots. Doch der Name ist immer noch frei wählbar, somit auch die Anonymität und das Ablegen bzw. Verdecken des Namens, so dass die Person nicht mehr die Verantwortung für ihre Kommentare oder ähnliches übernehmen muss.

4828083379_c2e117bf56_o      Abbildung 1: Dies ist ein CAPTCHA zum Registrieren in einen Blog. Die richtige Lösung wäre hier: „expressing Klaess“.

Ohne die realen Menschen haben auch die Bots keinen Sinn. In unserem Kreis der Empathie im Internet sollten also nur reale Personen vertreten sein, welche wir auch außerhalb des Internets kennen oder denen wir von ihrer Authentizität her Vertrauen entgegenbringen. Nicht vertreten sein sollten Konzerne, Formen von künstlicher Intelligenz (z.B. Bots, siehe oben) oder völlig Unbekannte, die wir nicht beurteilen können.

Das Beitragsbild zeigt einen handgezeichneten „Bot“.

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2 Gedanken zu “1.1 Der Kreis der Empathie

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