3.1.5 Die Gestaltung des eigenen Ichs

3.1.5 Die Gestaltung des eigenen Ichs

Die Darstellung der eigenen Persönlichkeit ist im Internet eine sehr unspezifische Angelegenheit, da sie zunächst von den technischen Möglichkeiten der Webseite und dann vom jeweiligen Geschmack des sich selbst darstellenden Nutzers abhängig ist. Individuelle Gestaltungsweisen sind also sehr schwer zu ermitteln und sie sind hauptsächlich auf visuelle Darstellungen (Bilder und Texte) beschränkt. Audioelemente kommen selten, wie z. B. auf Seiten wie Youtube zur Geltung.

Folglich ist die visuelle Darstellung die wichtigste, somit also Bild und Text. In sozialen Netzwerken werden (auf Grund der vielen Nutzer) bei der Darstellung und Gestaltung des eigenen Nutzers häufig nur Kategorien zum Ausfüllen angeboten. Man kann Profilbilder hochladen, oder vielleicht eine Art Statusmeldung bei Messengern wie WhatsApp für sich selbst festlegen. Dafür gibt es aber auch schon vorgefertigte Sprüche.

Ein noch sehr auf die gestalterische Individualität eingehendes soziales Netzwerk war Myspace, welches aber im Gegensatz zu Facebook den Gedanken verfolgte, die Nutzer nur auf das eigene Portal zu beschränken. Facebook-Buttons findet man daher sehr oft auch auf anderen Seiten, was zur größeren Beliebtheit von Facebook beigetragen hatte.

Beitragsbild: Mein Profilbild auf Twitter; eine Aufnahme durch ein Lichtmikroskop von den Hautgewebezellen einer Zwiebel.

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3.1.4 Nutzungsbedingungen

3.1.4 Nutzungsbedingungen

Diese fehlende Transparenz bei der Datenweitergabe liegt an den Nutzungsbedingungen, welche meist erschöpfend lang und recht vage formuliert sind.

Man könnte natürlich für leserfreundliche, humanere, für das menschliche Individuum geeignetere Nutzungsbedingungen plädieren, doch die Argumente der Betreiber werden sein, dass bereits auf diese Weise die beste Darstellung der Nutzungsbedingungen erfolgt ist. Oft steht in ihnen ja auch nur in vielerlei Ausführungen so etwas wie: „Die Firma XY mit all ihren Tochterfirmen ist nicht verantwortlich und haftet in keinerlei Weise für Schäden jedweder Art, die Sie durch die Benutzung der Firma XY oder einer ihrer Tochterfirmen erleiden. DIE FIRMA XY KANN SÄMTLICHE KLAUSELN DIESER VEREINBARUNG JEDERZEIT ERGÄNZEN ODER ÄNDERN. DIE FIRMA XY ÜBERNIMMT KEINE HAFTUNG.“ (Sinngemäß nach Jaron Lanier: Wem gehört die Zukunft? Hoffmann und Campe, 2014, S.118).

Im Zusammenhang zu Nutzungsbedingungen möchte ich hier die von Jaron Lanier „Sirenenserver“ genannten Institutionen erwähnen. Ein Sirenenserver wird zunächst von einem großer Internetdienstleister, wie z. B. Google betrieben. Ein Sirenenserver würde ein gewisses Monopol in einer bestimmten Richtung aufweisen, welches außer ihm in der Größe niemand zur Verfügung hätte. Dieses Monopol würde aus Daten der Nutzer bestehen, für die der Sirenenserver meist nicht bezahlen muss, weil die Nutzer sie ihm freiwillig geben würden, z. B. in Form von Suchverläufen oder Bewertungen (als Verdeutlichung ihrer Interessen). Gleichzeitig weist der Sirenenserver in seinen Nutzerbedingungen jede Verantwortung von sich, in dem z. B. sämtliche Verantwortung für Urheberrechtsverletzungen und anderes auf den Nutzer verschoben wird. Eine Urheberrechtsverletzung kann bereits beim Herunterladen eines Bilds von dem Google-Bilder-Dienst entstehen, oder bei der Verwendung eines urheberrechtlich geschützten Songs in einem Video auf Youtube. Ein Sirenenserver vermeidet alles, was konkrete Folgen haben kann. Er vermeidet Bevorzugungen und äußert keinen besonderen Geschmack. Er äußert sich also z. B. nicht in einer politischen Richtung, zieht keine bestimmten religiösen Gruppen vor und hat im Fall von Google keine vorrangigen Designfarben (alle Angebote von Google haben vielfarbige, bunte Symbole vor einem weißen Hintergrund). Der Betreiber eines Sirenenservers sollte, um den größten Profit zu erzielen, die Position eines Vermittlers zwischen Datenanbietern und -abnehmern einnehmen und alles tun, um Verantwortung von sich zu weisen. Außerdem lassen sich so externe Gebühren für Platzierungen, Provisionen usw. einnehmen. (Jaron Lanier: Wem gehört die Zukunft? Hoffmann und Campe, 2014, S.243)

Ich erwähne diese „Sirenenserver“, um noch einmal die Bedeutung von Nutzerbedingungen hervorzuheben. Sie sagen hauptsächlich immer nur eines: „Wir haben absolut keine Verantwortung, der Nutzer hingegen ist für alles, das auf unserem Server passiert, selbst verantwortlich.“

Andererseits könnte man argumentieren, Eigenverantwortung sei gut im Hinblick auf die Individualität. Das ist sie auch, allerdings ist für diese Eigenverantwortung kein Schutzraum gegeben, denn der Sirenenserver handelt mit den vom Individuum erzeugten Daten und möchte mittels von Big Data für den Einzelnen spezialisierte Werbung unsere Daten zu Geld machen. Man kann also in Eigenverantwortung einen Text bei Facebook schreiben, die geschriebenen Aussagen werden dann aber möglicherweise aus ihrem Rahmen extrahiert und auf ganz andere Zusammenhänge (wie Werbung) angewendet. Dies war wohl kaum die ursprüngliche Absicht des Textverfassers.

Ich habe im ersten Kapitel ausführlicher über die informationelle Selbstbestimmung geschrieben, welche die meiner Meinung nach wichtigste und brisanteste Bedingung von den hier aufgezählten ist.

Auf dem Beitragsbild sieht man die Statue einer Sirene aus Kopenhagen. Der Begriff „Sirenenserver“ soll die Verlockung ausdrücken, die so ein mächtiger Server mit einer besseren Informationslage als andere Server im Netzwerk auf die Betreiber ausübt.

3.1.3 Informationelle Selbstbestimmung

Mein nächstes Kriterium für virtuelle Individualität: informationelle Selbstbestimmung. In Kapitel 1 habe ich schon einmal diesen Begriff behandelt. Informationelle Selbstbestimmung besagt, dass allein der Erzeuger auch Herr über seine Daten sein sollte. Gibt ein Nutzer Daten von sich auf einer Webseite preis, sollte diese Seite die Daten vertraulich behandeln und nicht an Dritte weitergeben. Leider sind solche Weitergaben oftmals nicht transparent, so dass man über die Weitergabe von Daten zum Beispiel an Geheimdienste erst aus den Medien erfährt.

In Kapitel 1 habe ich schon über die Weitergabe von Nutzerdaten zu kommerziellen Zwecken gesprochen, welche tatsächlich häufiger auftreten dürfte als die Weitergabe von Informationen an Geheimdienste.

3.1.2 Name

3.1.2 Name

Im ersten Kapitel bin ich bereits auf Anonymität eingegangen und im Zusammenhang mit Trolling zu dem Schluss gekommen, dass es besser wäre, das Erstellen und „Pflegen“ eines Accounts mit Mühe (Sichtbarkeit aller früheren Aktionen und Bewertungen) zu verbinden, denn so würde Trolling, also unverantwortliches Beleidigen und Foppen, unterbunden.

Eine Realnamenpflicht wie bei Facebook schließt das Verleugnen der eigenen Person von vornherein ganz aus. Andererseits ist es im Zusammenhang mit den auf Facebook verrichteten Tätigkeiten unter Umständen auch problematisch, einen Realnamenzwang zu haben. Es gab Personen, die unter Pseudonymen regierungskritische Artikel auf Facebook veröffentlichten und teilten. Sie bekamen mit der Einführung der Realnamenpflicht 2011 auf Facebook zwei Nachteile. Erstens waren sie unter ihrem wahren Namen unbekannt und verloren nun ihre „Freunde“, da diese vorerst den realen Namen ihres unter Pseudonym veröffentlichenden Freund nicht kannten, zweitens konnten sie nun leichter identifiziert oder verfolgt werden.

Ein realer Name gibt im Internet oft schon so viele Informationen wie eine Visitenkarte preis. Siehe Beitragsbild.