Diese fehlende Transparenz bei der Datenweitergabe liegt an den Nutzungsbedingungen, welche meist erschöpfend lang und recht vage formuliert sind.

Man könnte natürlich für leserfreundliche, humanere, für das menschliche Individuum geeignetere Nutzungsbedingungen plädieren, doch die Argumente der Betreiber werden sein, dass bereits auf diese Weise die beste Darstellung der Nutzungsbedingungen erfolgt ist. Oft steht in ihnen ja auch nur in vielerlei Ausführungen so etwas wie: „Die Firma XY mit all ihren Tochterfirmen ist nicht verantwortlich und haftet in keinerlei Weise für Schäden jedweder Art, die Sie durch die Benutzung der Firma XY oder einer ihrer Tochterfirmen erleiden. DIE FIRMA XY KANN SÄMTLICHE KLAUSELN DIESER VEREINBARUNG JEDERZEIT ERGÄNZEN ODER ÄNDERN. DIE FIRMA XY ÜBERNIMMT KEINE HAFTUNG.“ (Sinngemäß nach Jaron Lanier: Wem gehört die Zukunft? Hoffmann und Campe, 2014, S.118).

Im Zusammenhang zu Nutzungsbedingungen möchte ich hier die von Jaron Lanier „Sirenenserver“ genannten Institutionen erwähnen. Ein Sirenenserver wird zunächst von einem großer Internetdienstleister, wie z. B. Google betrieben. Ein Sirenenserver würde ein gewisses Monopol in einer bestimmten Richtung aufweisen, welches außer ihm in der Größe niemand zur Verfügung hätte. Dieses Monopol würde aus Daten der Nutzer bestehen, für die der Sirenenserver meist nicht bezahlen muss, weil die Nutzer sie ihm freiwillig geben würden, z. B. in Form von Suchverläufen oder Bewertungen (als Verdeutlichung ihrer Interessen). Gleichzeitig weist der Sirenenserver in seinen Nutzerbedingungen jede Verantwortung von sich, in dem z. B. sämtliche Verantwortung für Urheberrechtsverletzungen und anderes auf den Nutzer verschoben wird. Eine Urheberrechtsverletzung kann bereits beim Herunterladen eines Bilds von dem Google-Bilder-Dienst entstehen, oder bei der Verwendung eines urheberrechtlich geschützten Songs in einem Video auf Youtube. Ein Sirenenserver vermeidet alles, was konkrete Folgen haben kann. Er vermeidet Bevorzugungen und äußert keinen besonderen Geschmack. Er äußert sich also z. B. nicht in einer politischen Richtung, zieht keine bestimmten religiösen Gruppen vor und hat im Fall von Google keine vorrangigen Designfarben (alle Angebote von Google haben vielfarbige, bunte Symbole vor einem weißen Hintergrund). Der Betreiber eines Sirenenservers sollte, um den größten Profit zu erzielen, die Position eines Vermittlers zwischen Datenanbietern und -abnehmern einnehmen und alles tun, um Verantwortung von sich zu weisen. Außerdem lassen sich so externe Gebühren für Platzierungen, Provisionen usw. einnehmen. (Jaron Lanier: Wem gehört die Zukunft? Hoffmann und Campe, 2014, S.243)

Ich erwähne diese „Sirenenserver“, um noch einmal die Bedeutung von Nutzerbedingungen hervorzuheben. Sie sagen hauptsächlich immer nur eines: „Wir haben absolut keine Verantwortung, der Nutzer hingegen ist für alles, das auf unserem Server passiert, selbst verantwortlich.“

Andererseits könnte man argumentieren, Eigenverantwortung sei gut im Hinblick auf die Individualität. Das ist sie auch, allerdings ist für diese Eigenverantwortung kein Schutzraum gegeben, denn der Sirenenserver handelt mit den vom Individuum erzeugten Daten und möchte mittels von Big Data für den Einzelnen spezialisierte Werbung unsere Daten zu Geld machen. Man kann also in Eigenverantwortung einen Text bei Facebook schreiben, die geschriebenen Aussagen werden dann aber möglicherweise aus ihrem Rahmen extrahiert und auf ganz andere Zusammenhänge (wie Werbung) angewendet. Dies war wohl kaum die ursprüngliche Absicht des Textverfassers.

Ich habe im ersten Kapitel ausführlicher über die informationelle Selbstbestimmung geschrieben, welche die meiner Meinung nach wichtigste und brisanteste Bedingung von den hier aufgezählten ist.

Auf dem Beitragsbild sieht man die Statue einer Sirene aus Kopenhagen. Der Begriff „Sirenenserver“ soll die Verlockung ausdrücken, die so ein mächtiger Server mit einer besseren Informationslage als andere Server im Netzwerk auf die Betreiber ausübt.

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Ein Gedanke zu “3.1.4 Nutzungsbedingungen

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