Die Tatsache, dass ich im ganzen Jahr 2019 keinen Eintrag auf diesem Blog getätigt habe, zeigt, dass in diesem Jahr bei mir sehr viel los war.

Trotzdem möchte ich mir jetzt wieder die Zeit nehmen und noch im Jahr 2019 wenigstens einen Beitrag hier schaffen. Dieser Jahresrückblick soll so ähnlich sein wie mein Jahresrückblick von 2018, das heißt ich werde mindestens ein Buch, einen Film und ein Stück Musik nennen, die mich 2019 am meisten beschäftigt haben, und vielleicht die ein oder andere Sache aus meinem Jahr 2019 erzählen. Dieses Jahr war für mich besonders, denn ich habe fast die letzten vier Monate, vom 27.8. bis 20.12., in Irland verbracht, um für ein Erasmussemester am University College Cork zu studieren. Ich werde auch im nächsten Jahr dorthin zurückkehren, um maximal drei Monate dort zu arbeiten.

Ich werde mit dem Film für 2019 anfangen, weil es dort für mich am einfachsten ist: The Joker.

Filmposter. Verwendet unter Fair Use

The Joker war für mich sehr packend und nah. Es ist sehr traurig mit anzusehen, und es war erschreckend, festzustellen, wie viele Leute den Film nicht verstanden haben. Viele haben sicher erwartet, einen Film mit sehr fiesem oder bösem Humor zu sehen, der aber innerhalb von erwartbaren Comic- Superheldenverfilmungen bleibt. Massentaugliche Action vielleicht. Allein dieses Lachen wurde meiner Meinung nach oft falsch verstanden. Es ist kein Lachen zum Mitlachen (dies haben im Kino einige Menschen im Publikum gemacht). Es ist eher eine Störung, oder ein Ausdruck von innerem Schmerz. Joaquin Phoenix hat wirklich sehr viel für die Rolle gegeben. Natürlich ist die Art der „Befreiung“ der seelischen Schmerzen oder der Traurigkeit von Arthur Fleck problematisch, da sie gewalttätig ist. Allerdings hab ich die ganze Diskussion darüber, wie problematisch The Joker nun wirklich ist, nicht ausstehen können. Den Aspekt, den ich davon mitgekriegt habe, war eher die Seite von Youtubern, die gegen „die Medien“ gewettert haben, dass die Medien ja den Film viel schlimmer darstellen als er ist und dass sie ja nur Angst davor haben, weil er mit üblichen Konventionen für Kinofilme bricht. Aber tatsächlich berichtet selbst das viel kritisierte Vice in mehreren Artikeln sehr differenziert über den Film. Aus meiner Sicht ist der Film auf jeden Fall empfehlenswert und sehenswert – keine übliche Comic- oder Superheldenverfilmung (von denen es sowieso schon viel zu viele gibt)!

The Joker hab ich übrigens in Irland im Kino gesehen, was auch eine nette Erfahrung war.

Jetzt komme ich zur Musik: Ich habe auch dieses Jahr eine umfassende Reise durch verschiedene Genres und Gattungen unternommen. Ich habe entdeckt, dass ich Frank Sinatra ganz gut finde (mit Hilfe der Figur von Vic Fontaine aus Star Trek – Deep Space Nine, die Episode Badda-Bing Badda-Bang sei hier nur am Rande empfohlen, sie ist im Moment auf Netflix zu finden).

Mir fällt nicht wirklich ein Album ein, das ich dieses Jahr erst kennen gelernt habe und 2019 soo wichtig für mich war. Viel mehr war mir wichtig, ein besseres Verständnis von Musik und Harmonie zu bekommen und meinen Geschmack und meine Kenntnisse zu erweitern. Ich bewundere gute DJs, die es schaffen, für ihre gesamte Spielzeit ein diverses Gefühl an Harmonie und Erfahrungen durch die Musik zu vermitteln. Ich bin bekannt dafür, dass ich Daft Punk mag, und ich bestätige das einmal mehr, in dem ich diesen Mix hier teile. Dies war mein meistgehörter Track auf Soundcloud dieses Jahr, und ich finde den Mix immer noch ein Meisterwerk, obwohl er morgen schon 21 Jahre alt sein wird (Neujahrsmix von 1998 auf 1999).

Dieses Jahr hab ich mich aber auch selbst versucht und zwei verschiedene Versuche getätigt, einen kontinuierlichen, stimmungsvollen Musikmix zu kreieren. Der erste Versuch geschah anlässlich meines Geburtstags im Sommer. Dieser Versuch ist mehr so als stilles Zimmerstück zu sehen. Am besten allein hören, in einem hellen Zimmer mit vielen Pflanzen. Das songübergreifende Motto dieses Mixes war: Zeit vergeht.

Mein zweiter Versuch ist erst gestern fertig geworden. Ich würde sagen, er ist deutlich optimistischer als der erste. Diesen hatte ich ja auch noch vor meinem Erasmussemester fertig gestellt. In diesen sind nicht so viele Gedanken in der Vorbereitung geflossen, und ich habe nur an zwei Abenden daran gesessen (an dem ersten Mix saß ich auf Grund einer kleinen Schaffenskrise mehr als eine Woche). Der zweite Mix hat kein übergreifendes Motto, sondern einfach nur: Entspannung und Tanz, Ausgelassenheit und Optimismus, und Repetition. Daft Punk hatte minimalen Einfluss auf diesen Mix, die aufmerksamen Zuhörenden werden es erkennen.

Während ich diesen Rückblick schreibe, merke ich, dass es mir sehr schwer fällt, mich an die Zeit vor Irland zu erinnern. 2019 war so lang. Eine positive Sache war noch, dass ich auch Erasmusstudierenden aus Belarus in Leipzig begegnet bin, durch einen Tandem-Sprachkurs.

Mir fällt jetzt als Buch für 2019 zuerst Mother Night von Kurt Vonnegut ein.

Umschlaggestaltung. Verwendet unter Fair Use

Dies sind die Memoiren der fiktiven Person Howard W. Campbell Jr., einem amerikanischen Nazi-Sympathisanten, der in den 1930er Jahren aus Deutschland heraus englischsprachige Nazipropaganda verbreitete. Die meisten Ereignisse sind in Retrospektive aus einem israelischen Gefängnis in den 1960er Jahren erzählt, wo Campbell auf seinen Prozess wartet. Die Erzählweise ist sehr geschickt und laut Wikipedia metafiktiv, und tatsächlich dachte ich zuerst, Campbell wäre eine reale Person gewesen und die Ereignisse hätten sich wirklich so zugetragen. Ich hab seinen Namen nicht gegoogelt, da ich Spoiler vermeiden wollte. Aber ich hatte die Person eines anderen amerikanischen Nazi-Sympathisanten im Kopf, nämlich Charles Lindbergh. Das ganze Buch hab ich an einem Abend durchgelesen, es war spannend, und so ähnlich, wie ich es schon von Vonnegut’s Slaughterhouse 5 kannte. Fatalistisch, von der Art „so war es halt“, in der auch die größten Zufälle möglich erscheinen. Nach allem, der zweite Weltkrieg war eine verrückte Zeit voller Wahnsinn, warum sollte es nicht solche Begebenheiten wie in Mother Night gegeben haben?

Alles in allem sehe ich dieses Jahr optimistischer als die Jahre davor. Ich habe das Gefühl, mehr Leute sehen die Dinge, die wirklich falsch laufen (ja, auch das Rezo-Video fand ich als Katalysator ganz gut), und die Klimademonstrationen haben mir Mut gegeben und gezeigt, dass sich Leute auch für einen guten Zweck aufraffen und wöchentlich auf die Straße gehen und Missstände anprangern, so dass es den Konservativen weh tut. Es tat ebenfalls gut, so viele Leute aus aller Herren und Frauen Länder kennenzulernen und sich auszutauschen. Ich kann nur empfehlen, so einen Austausch zu machen, denn die Sorte Mensch, die man dort trifft, ist generell etwas aufgeschlossener und offener. Infolgedessen habe ich jetzt Freunde in Frankreich, Holland, Spanien, Dänemark, Italien, San Marino, Island und den USA (und Deutschland natürlich!).

Morgen fangen die Zwanzigerjahre wieder an. Ich hoffe auf ein Revival von Art Deco und der expressionistischen Filmkunst.

Kommt gut rein!


Das Beitragsbild ist ein Foto aus eigener Hand: Ein Blick auf den River Lee in Richtung Westen von Cork, Grand Parade.

2 Gedanken zu “Jahresrückblick 2019

  1. Hi,
    wie schön. Eine Brasilianerin berichtete in Rom, dass sie sich Irland anders vorstellte. Mental auf das fröhliche Grau nicht vorbereitet, äußerte sie Bedenken bezüglich des Wetters. Hach, in diesem Land lässt es sich hervorragend über das Wetter sprechen und jenes als Platzhalter für alles mögliche einsetzen. Gut möglich, dass es leichter fällt, wenn man den Winter hier gewöhnt ist.
    Ich wünsche dir alles Gute für das neue Jahrzehnt, viele Freunde, wenig Ärger und Aufreger und dass du alle deine Ziele erreichst.

    Gefällt 1 Person

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