3.2.2 Twitter

3.2.2 Twitter

Twitter hat einige unterschiedliche Definitionen. Im allgemeinen Sinn ist Twitter eine Kommunikationsplattform, die Medien bezeichnen Twitter als Kurznachrichtendienst, Wikipedia als „Mikrobloggingdienst zur Verbreitung von telegrammartigen Kurznachrichten.“

Twitter wird aber auch zu den sozialen Netzwerken gezählt. Auf Twitter können registrierte Nutzer Kurznachrichten, „Tweets“, mit einer maximalen Länge von 140 Zeichen verfassen, die von allen anderen Nutzern gelesen werden können. Man kann als Nutzer anderen Nutzern auf Twitter folgen, so dass alle Tweets von dieser Person dem folgenden Nutzer „Follower“ sofort angezeigt werden. Gleichzeitig kann man versuchen, mit eigenen Tweets eine möglichst große Anzahl an eigenen Followern aufzubauen.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Funktionsweise von Twitter ist das „Retweeten“: Wenn ein Beitrag eines Nutzers von jemand anderem unter Nennung des ursprünglichen Accounts zitiert oder auf dem eigenen Account wiederholt wird, so wurde der Beitrag retweetet. Auf diese Weise kann ein Tweet in sehr kurzer Zeit sehr große Popularität erlangen.

Auf Twitter ist auch der Hashtag (engl. Hash=Raute, tag=Kennzeichnung) beliebt geworden. Mit einem Hashtag kann innerhalb eines Tweets ein Begriff besonders hervorgehoben werden, indem er vorne mit einem Rautenzeichen versehen wird, z. B. wie #hashtag oder #jahresarbeit. Auf Twitter kann man so auch im unregistrierten Zustand alle Beiträge zu einem Hashtag verfolgen. Die aktuell am häufigsten gehashtaggten Begriffe werden dann als „Trending-Topics“ auf der Twitter-Startseite angezeigt.

Noch ein wichtiges Merkmal von Twitter ist die Schnelligkeit der verbreiteten Nachrichten und die damit verbundene Redundanz. Dadurch sind Tweets auch extrem kurzlebig.

Sichtbarkeit: Auf Twitter verhält es sich mit der Sichtbarkeit ähnlich wie auf Facebook. Ein Individuum kann einen Account genauso führen wie ein Unternehmen, eine Firma usw. Die Tweets sind grundsätzlich öffentlich, der Absender einer Nachricht kann jedoch selbst darüber bestimmen, ob er die Nachricht öffentlich halten oder doch lieber nur einer Gruppe von ausgewählten Freunden zur Verfügung stellen will. Außerdem sieht man auf einem Twitterprofil auch die Anzahl der Follower und kann zu deren Tweets gelangen, wenn man registriert ist.

Eine „Startseite“ ist bei Twitter auch gegeben, auf dieser sieht man alle zugelassenen Tweets der betreffenden Person.

Name: Beim Registrieren auf Twitter wird man aufgefordert, den eigenen wahren Namen anzugeben. Anders als bei Facebook entspricht der Nutzername nicht gleich dem realen Namen. Ein irreführender Nutzername führt nicht zwingend zur Sperrung des Accounts, es gibt z. B. einen satirisch gefälschten Account von Angela Merkel.

Für Schlagzeilen sorgte im April 2013 eine Aktion des britischen Technologie-Pioniers Kevin Ashton, der auf Twitter einen Account für die völlig fiktive Person Santiago Swallow erstellte und innerhalb von zwei Tagen 90.000 Follower erreichte. Diese Follower waren jedoch nur von einer Software erstellt worden. Auf dem Newsportal Quartz beschrieb er seine genaue Vorgehensweise und behauptete, er habe die 90.000 Follower für $50 auf der Webseite fiverr.com gekauft. Schließlich habe er sich für $18 eine Webseite bei WordPress.com erstellt. Die Gesamtkosten für die Erschaffung von Santiago Swallow lagen also bei $ 68.

Nach der Bekanntmachung von Kevin Ashton war der Account von Santiago Swallow für 30 Stunden gesperrt, wurde dann aber wieder freigegeben, denn Kevin Ashton wollte damit nur deutlich machen, wie leicht es sein kann, scheinbare Berühmtheit im Internet zu erlangen. Santiago Swallows Account dient jetzt als mahnendes Beispiel dafür. Die 90.000 Follower sind nun verschwunden, nichtsdestotrotz hat Santiago Swallow inzwischen wieder mehr als 8.000 Follower, von denen mindestens ein paar menschlich sein dürften.

Kevin Ashton behauptete in seinem Artikel sogar, 28% der Personen, die den 20 meist beliebten Twitter-Accounts folgten, seien nicht real.

Nutzungsbedingungen: Die Endnutzerbedingungen von Twitter bilden keine Ausnahme gegenüber allen anderen, die ich schon gesehen habe, aber immerhin wird man dort noch gesiezt. Hier eine Stelle im Wortlaut:

„Sie sind für Ihre Nutzung der Dienste, die von Ihnen bereitgestellten Inhalte sowie für alle sich daraus ergebenden Folgen verantwortlich. Dies gilt auch für die Nutzung Ihrer Inhalte durch andere Nutzer und unsere externen Partner. Sie erkennen an, dass Ihre Inhalte von unseren Partnern syndiziert, übertragen, verbreitet oder veröffentlicht werden dürfen.“

In der Datenschutzrichtlinie von Twitter steht außerdem: „Wir dürfen Ihre Daten nach Ihren Anweisungen mit Dritten austauschen oder an Dritte weitergeben, wenn Sie zum Beispiel einem Web-Client oder einer Applikation gestatten, auf Ihren Twitter Account zuzugreifen. Andere Nutzer dürfen Informationen über Sie austauschen oder weitergeben, zum Beispiel wenn sie Sie erwähnen, ein Foto von Ihnen teilen oder Sie in einem Foto markieren.“

Die informationelle Selbstbestimmung wird somit nicht direkt eingehalten. Man kann aber einer Webanwendung (z.B. Googlemaps) oder einer Applikation (umgangssprachlich: App) den Zugriff auf den Twitter-Account verweigern, vorausgesetzt, man weiß, wie es geht. Dafür wurde im Mai 2012 in dem Browser Mozilla ein Do-Not-Track-Add-On für Twitter bereitgestellt. Dieses Add-on (also eine Ergänzung für den Browser) verhindert das Speichern von Cookies (kleinen Infodateien auf dem eigenen Rechner), die persönliche Information sammeln, sowie von Third-Party-Cookies (dt: „Drittparteicookies“) für personalisierte Werbung. Dieses Add-on funktioniert aber nur, wenn die betreffende Webseite es auch zulässt.

2011 gab Twitter erstmals Daten von fünf Twitter-Accounts an einen englischen Gemeinderat weiter, da dieser eine beleidigende Person ausfindig machen wollte. Die Daten umfassten IP-Adressen, Mobiltelefonnummern und Emailadressen.

Gestaltung des eigenen Ichs: Twitter wird gemeinhin als soziales Netzwerk bezeichnet, obwohl Twitter seinen Fokus nicht so sehr auf die Darstellung der eigenen Persönlichkeit legt. Vielmehr wird auf Tweets wert gelegt, also auf die interagierende Kommunikation zwischen den Mitgliedern.

Jaron Lanier vertritt die Ansicht, dass sich auf Twitter aus „vorübergehenden Gedankenblitzen Bedeutung ergibt.“ (Jaron Lanier: Wem gehört die Zukunft? Hoffmann und Campe, 2014, S. 249). Dabei würde es hauptsächlich auf den Kontext des Absenders und weniger auf den gedanklichen Inhalt eines Tweets ankommen. Twittert jemand mit wenigen Followern etwas, ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass jemand auf diesen Tweet aufmerksam wird, als wenn es jemand mit Millionen von Followern tut. Außerdem sind 140 Zeichen für eine Nachricht sehr einschränkend, diese Grenze wird laut Twitter demnächst in manchen Bereichen, zuerst dem privaten, aufgehoben.

Manche Twitter-Nutzer kontern darauf mit Fotos von längeren Texten, denn Fotos und Videos hochzuladen ist auf Twitter auch erlaubt. Auf einer Startseite/Übersicht eines Twitteraccounts gibt es zuerst alle Tweets der betreffenden Person zu sehen, oben steht die Anzahl der Tweets, „FOLGE ICH“, Follower, Favoriten und Listen, die aber bis auf die Tweets im unregistrierten Zustand nicht einsehbar sind.

Fazit: Twitter ist eher ein Nachrichtendienst als ein soziales Netzwerk, dennoch entspricht Twitter auch nicht meinen Bedingungen für Individualität im Internet, denn es können leicht Accounts von nichtmenschlicher Software geschaffen werden. Außerdem werden auch bei Twitter Daten der Nutzer an Dritte weitergegeben, die Datensammelei geschieht jedoch nicht so aggressiv und unverfroren wie auf Facebook.

Beitragsbild-Credits!

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3.2 Soziale Netzwerke

Soziale Netzwerke bieten im allgemeinen eine Grundlage für die Nutzer, in den Netzwerken zu kommunizieren und zu interagieren. Es gibt viele verschiedene soziale Netzwerke, mit verschiedenen Konzepten. Einen Überblick über die 20 sozialen Netzwerke mit den meisten Besuchen aus Deutschland bietet diese Tabelle, die nach Daten aus Hochrechnungen von SimilarWeb gestaltet wurde:

SimilarWeb: Top 20 soziale Netzwerke in Deutschland /
Dezember 2014

vs. Dezember 2013

totale Besuche 2014 in Mio.*

in Mio.

in %

1 facebook.com

635,50

-53,24

-7,7

2 plus.google.com

40,51

4,48

12,4

3 twitter.com

40,04

13,89

53,1

4 ok.ru (ehemals odnoklassniki.ru)

27,10

4,29

18,8

5 tumblr.com

23,11

0,11

0,5

6 instagram.com

17,72

4,72

36,3

7 vk.com

12,73

4,07

47,0

8 linkedin.com

11,40

3,62

46,6

9 pinterest.com

8,45

5,40

177,5

10 reddit.com

8,45

3,83

83,0

11 xing.com

8,01

-0,65

-7,6

12 deviantart.com

6,30

1,10

21,2

13 jappy.de

4,84

-4,35

-47,3

14 badoo.com

4,55

-3,78

-45,4

15 ask.fm

4,53

-4,62

-50,5

16 likes.com

2,41

1,84

328,4

17 stayfriends.de

2,39

-2,28

-48,8

18 spin.de

1,73

-2,47

-58,8

19 nk.pl

1,24

-2,14

-63,2

20 twoo.com

1,09

-1,28

-54,0

*: hochgerechnete Besuche auf der jeweiligen Website / ohne Besuche mittels mobiler Endgeräte

Die Zahlen variieren stark, außerdem sind in den obigen Tabellen keine Zugriffe von mobilen Geräten dabei, d.h. Besucher, die mit ihrem Smartphone die Netzwerke benutzten, wurden nicht erfasst. Man kann sehen, dass Facebook trotz erheblicher Verluste gegenüber dem Vorjahr immer noch an der Spitze steht, in erheblichem Abstand gefolgt von dem stark gewachsenen sozialen Netzwerk Twitter und dem Google-eigenen sozialen Netzwerk Google+. Die hohe Platzierung von Google+ ist aber auf die enge Verknüpfung mit anderen Google-Angeboten, wie Gmail oder Youtube zurückzuführen, denn sobald man bei irgendeinem Angebot von Google einen Account eröffnet, hat man automatisch einen Google+-Account. Seitens Google wolle man Google+ aber eigenständiger machen.

Google+ wird demnächst wohl wieder in einzelne Dienste getrennt werden, die Zukunft des sozialen Netzwerks ist also eher ungewiss. Von 2 Milliarden Profilen auf Google+ sind nur 1 Prozent aktive Nutzer.

Daher werde ich Google+ nicht genauer untersuchen, denn ich denke, Google wollte damit nur eine Art Wettbewerbsprodukt erschaffen, das mit Facebook konkurrieren sollte. Der größte deutsche Anbieter ist den Besucherzahlen zufolge Xing, überraschenderweise hinter den russischen Netzwerken ok.ru und vk.com. Und das in Deutschland selbst!

Ich werde mir auf den folgenden Seiten die am häufigsten besuchten sozialen Netzwerke Facebook, Twitter und Tumblr genauer anschauen, um festzustellen, inwiefern sie meinen Kriterien für Individualität entsprechen.

3.1.5 Die Gestaltung des eigenen Ichs

3.1.5 Die Gestaltung des eigenen Ichs

Die Darstellung der eigenen Persönlichkeit ist im Internet eine sehr unspezifische Angelegenheit, da sie zunächst von den technischen Möglichkeiten der Webseite und dann vom jeweiligen Geschmack des sich selbst darstellenden Nutzers abhängig ist. Individuelle Gestaltungsweisen sind also sehr schwer zu ermitteln und sie sind hauptsächlich auf visuelle Darstellungen (Bilder und Texte) beschränkt. Audioelemente kommen selten, wie z. B. auf Seiten wie Youtube zur Geltung.

Folglich ist die visuelle Darstellung die wichtigste, somit also Bild und Text. In sozialen Netzwerken werden (auf Grund der vielen Nutzer) bei der Darstellung und Gestaltung des eigenen Nutzers häufig nur Kategorien zum Ausfüllen angeboten. Man kann Profilbilder hochladen, oder vielleicht eine Art Statusmeldung bei Messengern wie WhatsApp für sich selbst festlegen. Dafür gibt es aber auch schon vorgefertigte Sprüche.

Ein noch sehr auf die gestalterische Individualität eingehendes soziales Netzwerk war Myspace, welches aber im Gegensatz zu Facebook den Gedanken verfolgte, die Nutzer nur auf das eigene Portal zu beschränken. Facebook-Buttons findet man daher sehr oft auch auf anderen Seiten, was zur größeren Beliebtheit von Facebook beigetragen hatte.

Beitragsbild: Mein Profilbild auf Twitter; eine Aufnahme durch ein Lichtmikroskop von den Hautgewebezellen einer Zwiebel.

3.1.4 Nutzungsbedingungen

3.1.4 Nutzungsbedingungen

Diese fehlende Transparenz bei der Datenweitergabe liegt an den Nutzungsbedingungen, welche meist erschöpfend lang und recht vage formuliert sind.

Man könnte natürlich für leserfreundliche, humanere, für das menschliche Individuum geeignetere Nutzungsbedingungen plädieren, doch die Argumente der Betreiber werden sein, dass bereits auf diese Weise die beste Darstellung der Nutzungsbedingungen erfolgt ist. Oft steht in ihnen ja auch nur in vielerlei Ausführungen so etwas wie: „Die Firma XY mit all ihren Tochterfirmen ist nicht verantwortlich und haftet in keinerlei Weise für Schäden jedweder Art, die Sie durch die Benutzung der Firma XY oder einer ihrer Tochterfirmen erleiden. DIE FIRMA XY KANN SÄMTLICHE KLAUSELN DIESER VEREINBARUNG JEDERZEIT ERGÄNZEN ODER ÄNDERN. DIE FIRMA XY ÜBERNIMMT KEINE HAFTUNG.“ (Sinngemäß nach Jaron Lanier: Wem gehört die Zukunft? Hoffmann und Campe, 2014, S.118).

Im Zusammenhang zu Nutzungsbedingungen möchte ich hier die von Jaron Lanier „Sirenenserver“ genannten Institutionen erwähnen. Ein Sirenenserver wird zunächst von einem großer Internetdienstleister, wie z. B. Google betrieben. Ein Sirenenserver würde ein gewisses Monopol in einer bestimmten Richtung aufweisen, welches außer ihm in der Größe niemand zur Verfügung hätte. Dieses Monopol würde aus Daten der Nutzer bestehen, für die der Sirenenserver meist nicht bezahlen muss, weil die Nutzer sie ihm freiwillig geben würden, z. B. in Form von Suchverläufen oder Bewertungen (als Verdeutlichung ihrer Interessen). Gleichzeitig weist der Sirenenserver in seinen Nutzerbedingungen jede Verantwortung von sich, in dem z. B. sämtliche Verantwortung für Urheberrechtsverletzungen und anderes auf den Nutzer verschoben wird. Eine Urheberrechtsverletzung kann bereits beim Herunterladen eines Bilds von dem Google-Bilder-Dienst entstehen, oder bei der Verwendung eines urheberrechtlich geschützten Songs in einem Video auf Youtube. Ein Sirenenserver vermeidet alles, was konkrete Folgen haben kann. Er vermeidet Bevorzugungen und äußert keinen besonderen Geschmack. Er äußert sich also z. B. nicht in einer politischen Richtung, zieht keine bestimmten religiösen Gruppen vor und hat im Fall von Google keine vorrangigen Designfarben (alle Angebote von Google haben vielfarbige, bunte Symbole vor einem weißen Hintergrund). Der Betreiber eines Sirenenservers sollte, um den größten Profit zu erzielen, die Position eines Vermittlers zwischen Datenanbietern und -abnehmern einnehmen und alles tun, um Verantwortung von sich zu weisen. Außerdem lassen sich so externe Gebühren für Platzierungen, Provisionen usw. einnehmen. (Jaron Lanier: Wem gehört die Zukunft? Hoffmann und Campe, 2014, S.243)

Ich erwähne diese „Sirenenserver“, um noch einmal die Bedeutung von Nutzerbedingungen hervorzuheben. Sie sagen hauptsächlich immer nur eines: „Wir haben absolut keine Verantwortung, der Nutzer hingegen ist für alles, das auf unserem Server passiert, selbst verantwortlich.“

Andererseits könnte man argumentieren, Eigenverantwortung sei gut im Hinblick auf die Individualität. Das ist sie auch, allerdings ist für diese Eigenverantwortung kein Schutzraum gegeben, denn der Sirenenserver handelt mit den vom Individuum erzeugten Daten und möchte mittels von Big Data für den Einzelnen spezialisierte Werbung unsere Daten zu Geld machen. Man kann also in Eigenverantwortung einen Text bei Facebook schreiben, die geschriebenen Aussagen werden dann aber möglicherweise aus ihrem Rahmen extrahiert und auf ganz andere Zusammenhänge (wie Werbung) angewendet. Dies war wohl kaum die ursprüngliche Absicht des Textverfassers.

Ich habe im ersten Kapitel ausführlicher über die informationelle Selbstbestimmung geschrieben, welche die meiner Meinung nach wichtigste und brisanteste Bedingung von den hier aufgezählten ist.

Auf dem Beitragsbild sieht man die Statue einer Sirene aus Kopenhagen. Der Begriff „Sirenenserver“ soll die Verlockung ausdrücken, die so ein mächtiger Server mit einer besseren Informationslage als andere Server im Netzwerk auf die Betreiber ausübt.

3.1.3 Informationelle Selbstbestimmung

Mein nächstes Kriterium für virtuelle Individualität: informationelle Selbstbestimmung. In Kapitel 1 habe ich schon einmal diesen Begriff behandelt. Informationelle Selbstbestimmung besagt, dass allein der Erzeuger auch Herr über seine Daten sein sollte. Gibt ein Nutzer Daten von sich auf einer Webseite preis, sollte diese Seite die Daten vertraulich behandeln und nicht an Dritte weitergeben. Leider sind solche Weitergaben oftmals nicht transparent, so dass man über die Weitergabe von Daten zum Beispiel an Geheimdienste erst aus den Medien erfährt.

In Kapitel 1 habe ich schon über die Weitergabe von Nutzerdaten zu kommerziellen Zwecken gesprochen, welche tatsächlich häufiger auftreten dürfte als die Weitergabe von Informationen an Geheimdienste.

3.1.2 Name

3.1.2 Name

Im ersten Kapitel bin ich bereits auf Anonymität eingegangen und im Zusammenhang mit Trolling zu dem Schluss gekommen, dass es besser wäre, das Erstellen und „Pflegen“ eines Accounts mit Mühe (Sichtbarkeit aller früheren Aktionen und Bewertungen) zu verbinden, denn so würde Trolling, also unverantwortliches Beleidigen und Foppen, unterbunden.

Eine Realnamenpflicht wie bei Facebook schließt das Verleugnen der eigenen Person von vornherein ganz aus. Andererseits ist es im Zusammenhang mit den auf Facebook verrichteten Tätigkeiten unter Umständen auch problematisch, einen Realnamenzwang zu haben. Es gab Personen, die unter Pseudonymen regierungskritische Artikel auf Facebook veröffentlichten und teilten. Sie bekamen mit der Einführung der Realnamenpflicht 2011 auf Facebook zwei Nachteile. Erstens waren sie unter ihrem wahren Namen unbekannt und verloren nun ihre „Freunde“, da diese vorerst den realen Namen ihres unter Pseudonym veröffentlichenden Freund nicht kannten, zweitens konnten sie nun leichter identifiziert oder verfolgt werden.

Ein realer Name gibt im Internet oft schon so viele Informationen wie eine Visitenkarte preis. Siehe Beitragsbild.